„Trau dich, zu fühlen!“ – 4 Dinge, die ich meinen Kindern über Gefühle vermitteln möchte

4 Fakten über Gefühle

Ich wünschte, es gäbe ein Schulfach: „Gefühlskunde.“ Oder „Emotionale Bildung“. Wir lernen Fakten über Stoffwechselvorgänge in pflanzlichen Zellen, interpretieren Gedichte längst verstorbener Denker und lösen komplexe geometrische Probleme. (Oder versuchen es zumindest.)

Aber was lernen wir über Gefühle?

Ich meine, so richtig lernen. 

Wir wurden schon als Kinder vollgestopft mit Wissen. Und das, was wir gemeinhin als ‚Intelligenz‘ bezeichnen und mit IQ-Tests auf eine Skala pressen, ist doch mehr als einseitig. 

Denn was ist mit dem Wissen fernab von Fakten, logischen Zusammenhängen und Zahlenreihen? Der leisen Intelligenz, die sich auf das Lesen von Emotionen, Empathie und Selbstmitgefühl bezieht?

Der Emotionalen Intelligenz?

Eine Intelligenz, die für unsere Gesundheit und Lebensqualität enorm wichtig ist. Für gute Beziehungen und ein friedvolles Miteinander.

Dieses Thema hatte ich nie auf dem Schirm bis ich Mama wurde. Erst da wurde mir bewusst, wieviel wir über dieses Thema noch lernen dürfen. 

Am besten von Kindesbeinen an.

Denn ich kann es nicht oft genug sagen: 

Ein gesunder Umgang mit Gefühlen ist das größte Geschenk, das du deinem Kind für sein Leben mitgeben kannst. 

Nicht nur für dein Kind, sondern auch für die Welt. 

Yep, hier denke ich groß.

Wir kommen zwar als fühlende Wesen zur Welt. Aber den Umgang mit Freude, Trauer, Angst & Co. müssen wir erst lernen. Nur haben wir auf unserer Lernreise leider nicht immer die bewusstesten Vorbilder.

Und auch ich merke, an welchen Stellen es bei mir im Umgang mit meinen Gefühlen hakt. Und wie schwierig es ist, neue und gesündere Strategien zu verinnerlichen.

Aber: Es ist nie zu spät zum Lernen. Ein wenig Wissen und Sensibilisierung für dieses Thema sind schon mal ein sehr guter Ausgangspunkt.

Deshalb bekommst du hier:

4 Dinge über Gefühle, die ich meinen Kindern vermitteln möchte

Ganz nebenbei versprühen die nachfolgenden Fakten einen Hauch von Achtsamkeit. Sie formen meine (inzwischen überwiegend) freundschaftliche Haltung den Gefühlen gegenüber und helfen mir ungemein beim Umgang mit Gefühlsstürmen. Meinen eigenen und denen meiner Kinder.

Bereit? Here we go.

1. Emotionen kommen und gehen. Und sie bringen immer eine Botschaft mit.

Mal ganz nüchtern betrachtet: Wir nehmen unsere Welt wahr. Unser Verstand bewertet, was wir wahrnehmen. Manchmal bewusst, meist aber eher unbewusst. Und als Reaktion auf unsere Gedanken sendet unser Gehirn bestimmte Signale, die in uns Regungen erzeugen. Herzflattern, ein flauer Magen, Anspannung oder einen Impuls, laut loszuschreien. Und da sind sie: Emotionen. Sie fließen durch unseren Körper und lassen ein Gefühl entstehen. Dieses Gefühl nimmt unser Verstand dann meist wahr und macht sich seine Gedanken dazu.

Damit könnten wir Emotionen im Grunde als Botschaften sehen.

Emotionen können uns vor möglichen Gefahren warnen. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist. Wer und was uns guttut und wo unsere Grenzen liegen. Und sie können uns helfen, uns selbst zu verstehen. Wenn wir es wollen.

Was einzelne Botschaften unserer Emotionen letztlich über uns aussagen, wie begründet oder unbegründet unsere Gefühle sind und was wir letztlich aus alldem machen, sind noch ganz andere Fragen. Worum es mir hier geht, ist diese Sichtweise:

Ein Gefühl ist ein Gefühl. Es kommt und geht. Und es hat einen Zweck.

Denn oftmals identifizieren wir uns stark mit unseren Gefühlen. Als wären sie ein Teil von uns: „Ich bin so sauer… erschöpft… ängstlich.“

Eine (selbst-)beobachtende Haltung kann hier sehr hilfreich sein:

Okay, ich fühle mich in diesem Moment angespannt. Interessant. Warum ist das so? Was sagt mir das?“

Das schafft Distanz. Und Bewusstheit, die uns daran hindert, von unseren Gefühlen überrollt zu werden. Denn: Wir sind nicht unsere Gefühle. Wir sind nicht unsere Wut. Wir sind nicht unsere Angst. Wir sind auch nicht Trauer oder Erschöpfung.

Wir sind lediglich die Adressaten für all die wichtigen Botschaften, die uns unsere Emotionen und Gefühle vermitteln wollen.

Deshalb sollten wir unseren Gefühlen Aufmerksamkeit schenken, wenn sie zu uns kommen. Und wenn wir sie gefühlt und ihre Botschaft verstanden haben, lösen sie sich auf oder ziehen vorüber. Ein bisschen wie Wolken.

Über Emotionale Intelligenz und die gesamte Klaviatur an Gefühlen werde ich demnächst noch einen gesonderten Artikel veröffentlichen. Du möchtest keinen neuen Artikel verpassen? Dann melde dich gern für meinen Newsletter an.

2. Emotionen passieren im ganzen Körper.

Emotionen sind keine Kopfsache. Im Gegenteil. Sie passieren im Körper und sind oft deutlich spürbar: Der Adrenalinkick bei einem Schreck. Ein warmes, wohliges Gefühl bei einem guten Gespräch. Wir lachen oder weinen. Oder spüren ein Gefühl der Enge bei Angst. Oder den berühmten Kloß im Hals. Ein Durchschütteln, wenn wir uns ekeln. Hektische Flecke. (Meine Spezialität.) All das sind körperliche Reaktionen.

Hm. Banal.“, denkst du jetzt vielleicht. „Wissen wir doch alle.“

Aber:

Dieser körperlichen Dimension von Emotionen schenken wir leider viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Wann bekommen wir denn schon mal zu hören: „Spür mal in dich hinein. Was fühlst du?“

Eigentlich nie. Denn wir funktionieren.

So werden uns Emotionen oft nur wirklich bewusst, wenn die körperliche Reaktion besonders stark ausfällt. Dennoch fließen Emotionen die ganze Zeit, selbst wenn die körperliche Reaktion eher subtil ist. Und bestimmte Reaktionen haben wir gelernt, lieber zu ignorieren oder ganz schnell beiseite zu schieben.

Bewusstes „In-mich-hinein-Spüren“ lerne ich erst jetzt. Leider. Denn die Wirkung setzt bei mir in den meisten Fällen recht eindrucksvoll ein: Ein leises „Oh, okay“ oder „Aha“. Ein Moment Mitgefühl für mich, wie für eine liebe Freundin. (Kein Selbstmitleid, sondern Empathie für mich selbst!) Und ein paar Augenblicke später ein spürbar leichteres Herz.

„Die Macht des Fühlens“ nenn ich diesen erleichternden Effekt für mich. Denn nur das Fühlen hilft uns, die Gefühle zu verarbeiten.

Kinder gesunder Umgang mit Gefühlen

Es mag vielleicht esoterisch klingen, aber: Unser Körper kann uns helfen, zu erkennen, was wir wirklich fühlen und brauchen.

Nur: Haben wir auch gelernt, unserem Körper zuzuhören?

3. Es gibt keine negativen Emotionen.

Es gibt keine guten oder schlechten Emotionen und Gefühle. Sie sind immer neutral. 

Klar, es gibt Gefühle, die uns in einen unangenehmen Zustand versetzen: Angst, Wut, Scham, Eifersucht oder Panik, zum Beispiel. Unser Alarmsystem springt dann an und wir geraten in Stress.

Und den wollen wir dann am liebsten einfach ausstellen.

Diese Gefühle wollen wir dann einfach nicht fühlen. Und kämpfen deshalb gegen sie an. Denn nicht wenige von uns sind mit der Haltung aufgewachsen, dass bestimmte Gefühle falsch, schlecht, beängstigend oder unerwünscht sind. Dass wir bestimmte Gefühle nicht zeigen oder schnell abstellen sollten: „Sei nicht so bockig! Schrei nicht so herum! Da musst du doch jetzt nicht weinen oder Angst haben…Unmöglich, dass du neidisch auf deine Schwester bist!“

Gesund ist allerdings nur eine akzeptierende Grundhaltung, die sagt:

Alle Gefühle sind gleichwertig. Alle Gefühle sind legitim und erfüllen ihren Zweck. Und alle Gefühle sind okay. Also: Fühle, fühle, fühle.“

Was wäre, wenn wir unsere Emotionen als eine Ressource für uns sehen, die uns verbindet? Mit uns selbst. Und miteinander. Als Menschen.

4. Unterdrückte Gefühle verschwinden nicht.

Zum Abschluss ein Fakt, dem aufmerksame Leser:innen auf meinem Blog schon begegnet sind: Gefühle, die wir wegwischen, sind nicht weg.

Ärger, von dem wir uns ablenken, bleibt. Angst, die wir ignorieren, verschwindet auch nicht. Vielleicht spüren wir sie für den Moment nicht mehr, wenn wir ihr keine Aufmerksamkeit schenken und uns anderen Dingen zuwenden. Aber unterdrückte Gefühle bleiben im Körper und kommen in irgendeiner Form immer wieder an die Oberfläche.

Wie ein Ball, den du mit hohem Kraftaufwand unter Wasser drückst.

Manchmal zeigen sich unterdrückte Gefühle durch einen verspannten Nacken. Oder schlechten Schlaf. Und manchmal durch eine latent gedrückte Laune, die wir mit einer großen Schüssel Süßkram und einem Serienmarathon bekämpfen wollen. Erfolglos.

Emotionen selbst verursachen keine Schmerzen. Ignoranz, Widerstand oder das Unterdrücken von Emotionen verursachen Schmerzen.

The only way out is through. Der einzige Weg aus dem Gefühl führt immer durch das Gefühl hindurch.

Ein gesunder Umgang mit Gefühlen

Du merkst, alle Fäden führen uns immer wieder zu diesem Auftrag: Einem gesunden Umgang mit Gefühlen.

  • Gefühle wahrnehmen.
  • Gefühle akzeptieren. (Alle.)
  • Gefühle bewusst fühlen.
  • Körperwahrnehmung.
  • Selbstbeobachtung.
  • Gefühle weiterziehen lassen.

So einfach und doch alles andere als leicht…

Es ist eine Sache, weise Worte zu schreiben. Und eine völlig andere, sie umzusetzen.

I know.

Aber dabei können sich selbst kleine Schritte riesig anfühlen.

Ich denke, wenn wir das Thema Gefühle bewusster, akzeptierender und ernster angehen und dabei (wie immer) bei uns selbst anfangen, sind unsere Kinder die großen Gewinner.

Und wer weiß, vielleicht stehen eines Tages ja tatsächlich mal Gefühlskunde, Achtsamkeitstechniken, Selbstregulation und wertschätzende Kommunikation auf dem Lehrplan. Also ich wäre dafür. Und bis dahin können wir versuchen, unseren Kindern eine offene und freundschaftliche Haltung Gefühlen gegenüber vorzuleben.

blog respektvolle elternschaft

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