Was möchte ich in der Autobiografie meiner Kinder über mich lesen? Wofür stehe ich? Was ist mir wichtig? Hier, so ganz unter uns, teile ich meine Gedanken zur Zeitreise-Übung mit dir.
Meine wichtigsten Werte sind Respekt (echter Respekt), Ebenbürtigkeit und Bedingungslosigkeit, Unvoreingenommenheit, Offenheit (die sich auch in Ambiguitätstoleranz – wunderschönes Wort – zeigt) und ganz wichtig: ein gesunder Umgang mit Gefühlen.
Hier ist ein Auszug aus meinen Gedanken:
Ich wünsche mir, dass meine Kinder über mich schreiben werden:
- Meine Mama hat mich ernst genommen. Es war ihr immer wichtig, meine Sicht der Dinge zu verstehen. Wir waren ein Team. Ich konnte mit allem zu ihr kommen. Egal, wie schwierig, heikel, peinlich oder vermeintlich unwichtig es war. Sie hat mich nicht beschuldigt, belehrt oder verurteilt.(Don’t forget: Idealvorstellung. Ich geb mein Bestes. Jeden Tag.)
- Es gab keinen Moment, in dem ich Angst vor ihr oder ihrer Reaktion hatte.
- Ich durfte Fehler machen und sie hat mir dann oft auch von ihren Fehlern erzählt und wie sie daraus gelernt hatte. Manchmal konnten wir sogar darüber lachen.
- Sie ließ mich Dinge ausprobieren. Auch, wenn das manchmal hieß, anders zu sein.
- Sie hat mir immer die Sicherheit gegeben, gut zu sein, wie ich bin. Nichts sein zu müssen. Sondern einfach sein zu dürfen. Ich musste nichts Bestimmtes leisten oder mich verbiegen, um ihr zu gefallen. Sie hatte keine vorgefertigten Erwartungen an mich, denen ich entsprechen musste. Sie hat mir die Freiheit gegeben, der Mensch zu sein, der ich bin. Sie war an meiner Seite und reichte mir ihre Hand, wenn ich sie brauchte.
- Sie hat mir gezeigt, Dinge nicht nur aus einem Blickwinkel zu sehen. Dass es mehr als Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse gibt. Dass es okay ist, nicht einer Meinung zu sein. Dass Menschen bunt und ihre Geschichten und Vorstellungen sehr unterschiedlich sind. Und dass die Welt zwar vor der eigenen Haustür anfängt, aber eben nicht endet.
- Sie gab nie vor, alles zu wissen oder immer alles richtig zu machen. Sie ließ mich daran teilhaben, wie sie Antworten oder Lösungen fand. Und dabei lernte. Oder nach Hilfe fragte, wenn sie nicht weiter wusste. Und manchmal blieb es auch bei einem „Ich weiß es nicht.“ Und es war okay. Denn wir haben nicht auf alles Antworten.
- Gefühle waren ihr Lieblingsthema. Sie sagte zu mir: „Gefühle kommen und gehen. Sie haben Botschaften für dich. Spüre hin, fühle sie und halte deine Seele sauber. Tränen können dir manchmal dabei helfen. Und ich bin an deiner Seite.“
- Sie hat mir vorgelebt, echt zu sein, mich selbst ernst zu nehmen – und gleichzeitig auch mal über mich lachen zu können. Dass beides gut ist.
- Meine Mama ist etwas chaotisch, emotional und drückte sich immer vor dem Basteln. Von ihr lernte ich, dass wir alle unterschiedliche Dinge mögen, unsere Wahrheit sprechen und uns nicht verbiegen müssen.
- Von ihr habe ich mich gehört und gesehen gefühlt. Hab ich in Gefühlsstürmen vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen, hat sie erkannt, dass mir etwas fehlte. Meistens auch, was mir fehlte. Und wenn sie es nicht wusste und andere sich nur über mein Verhalten aufgeregt haben, war sie diejenige, die mir einen Blick zuwarf, der sagte: „Ich bin da. Und ich helfe dir, herauszufinden, was du brauchst. Wir bekommen alles hin.“ Selbst dann, wenn ich wirklich Mist gebaut hatte.
To be continued.
Und jetzt du: Was soll dein Kind über dich schreiben?
