Geschwisterstreit um Spielzeug – Mit dieser einfachen Regel teilen deine Kinder freiwillig

Geschwisterstreit Spielzeug

Wusstest du, dass Kinder im Schnitt alle 20 Minuten streiten? Puh. Das gilt wohl vor allem für Geschwister. Der absolute Klassiker unter den Konfliktherden: Streit um Spielzeug. Kennst du sicher. Es wird wochenlang nicht angeschaut, doch sobald die kleine Schwester ein Spielzeug in den Händen hält, wird genau dieses plötzlich zum Objekt der Begierde.

„Das ist meins! Ich hatte das zuerst! Gib das her! Mama, Papa, sie hat mir mein Spielzeug weggenommen! Ich wollte das aber haben!“

Tadaaa, Geschwisterstreit. 

Oberflächlich betrachtet manchmal völlig banal. Streit um Spielzeug. Aber aus der Perspektive unserer Kinder sind diese Situationen durchaus ernst und verdienen unsere respektvolle Haltung.

Was uns im Alltag den letzten Nerv rauben kann, ist für unsere Kinder nämlich ein Akt sozialen Lernens. Denn was passiert bei jedem Konflikt? Kinder stehen für ihre Bedürfnisse und Interessen ein und üben, wie diese mit den Interessen des Gegenübers vereinbar sind. Sie lernen, sich zurückzunehmen, sich mit anderen zu einigen, zu überzeugen – oder sich durchzusetzen.

Manchmal mit Hauen oder Schubsen. Manchmal mit geschickten Ablenkungsmanövern und gemeinen Hütchenspielertricks. Manchmal mit echten Verhandlungskünsten, Empathie und Großzügigkeit. Aber eben auch und nicht selten mit lautstarkem Protest, Tränen und Schreien. Das kann für uns sehr anstrengend sein. Aber: Dass alle Mittel und Wege mal ausprobiert werden müssen, ist nicht verwerflich. Sondern gut. Denn es ist ein Lernprozess. 

Und dafür sind Geschwister zu Hause doch die perfekten Lernpartner. Kinder lernen das Streiten (und Versöhnen) in einem sicheren Rahmen.

Geschwisterstreit um Spielzeug: Unsere Chance, unsere Kinder bei konstruktiven Konfliktlösungen zu begleiten.

In diesem Artikel möchte ich dir eine sehr praktikable Grundregel von Dr. Laura Markham* vorstellen, die wir in unserer Familie konsequent anwenden, wenn es um das Thema Spielzeug Teilen und Abwechseln geht. 

Weil sich diese Spielregel bei unseren Kindern absolut bewährt, möchte ich sie mit dir teilen.

Sie hat drei große Vorteile:

  1. Sie respektiert die Wünsche beider Kinder.
  2. Sie hilft deinen Kindern, wichtige soziale Fähigkeiten zu erlernen. 
  3. Sie ist einfach, schafft Klarheit für alle und nimmt dir Stress.

Bist du neugierig? Dann hier entlang.

Was wünschen wir uns für unsere Kinder?

Wir alle wollen, dass unsere Kinder zu sozial verträglichen, rücksichtsvollen und großzügigen Menschen heranwachsen. Dass sie die Bedürfnisse anderer wahrnehmen und auf sie eingehen können. Gleichzeitig aber auch ihre eigenen Bedürfnisse spüren und dafür einstehen. 

Eines der wichtigsten Bedürfnisse unserer Kinder ist das Spielen. Und das ist mehr als nur Spaß. Denn im Spielen bildet sich die ganze Welt unserer Kinder ab: Es ist Lernen, Eindrücke verarbeiten, Fantasie ausleben, soziale und praktische Fähigkeiten einüben, Experimentieren, Identitätsfindung.

Alles andere als Kinderkram.

Kein Wunder also, dass es beim Spielen mit anderen Kindern immer wieder zu Konflikten kommt. Vor allem eben ums Spielzeug.

Du möchtest sicher auch:

  • dass deine Kinder sich die Spielzeuge nicht gegenseitig aus den Händen reißen, sondern sich einigen und sich abwechseln,
  • dass es dabei möglichst wenig Frust, Ärger und keine Handgreiflichkeiten zwischen deinen Kindern gibt,
  • dass sie lernen, sich zu gedulden und zu warten, bis sie an der Reihe sind,
  • dass sie merken, wenn das andere Kind nach längerem Warten mit dem Spiel an der Reihe ist,
  • dass deine Kinder Spielzeuge gern und freiwillig an das Geschwisterkind abgeben,
  • und last but not least: dass deine Kinder entspannt und vertieft spielen können.

Zu schön, um wahr zu sein. Oder?

Aber wie können wir zu Hause den Rahmen fürs Teilen mit Geschwistern schaffen?

Auf eine Art zumindest schon mal gar nicht: mit Zwang. 

Mit konsequentem Heraushalten allerdings auch nicht. 

Es braucht eine einfache und klare Linie und deine Begleitung in diesem Lernprozess.

Bevor wir dazu kommen, vorab aber noch ein kurzer Blick auf eine wichtige Frage:

Wie lernen Kinder es eigentlich, großzügig zu sein?

Dazu hat die Psychologin Nancy Eisenberg Forschungsergebnisse zusammengetragen und kommt zu spannenden Erkenntnissen wie dieser:

Kinder werden zu großzügigen Menschen, wenn sie die Erfahrung machen, anderen etwas zu geben und es sich für sie gut anfühlt. Wenn dein Kind das Teilen also als positiv erlebt. Dein Kind muss dafür allerdings freiwillig entscheiden, zu teilen oder ein Spielzeug abzugeben. Nur so kann ehrliche Großzügigkeit entstehen. 

Erzwingen wir das Abgeben oder Teilen eines Spielzeugs, entstehen nur Ärger, Frust und Widerwille. 

Wir können unsere Kinder also relativ einfach beim Teilen lernen unterstützen, indem wir: 

  1. sie selbst entscheiden lassen, wie lang sie ein Spielzeug nutzen möchten, damit sie
  2. das Spielzeug freiwillig weitergeben können, sobald sie dazu bereit sind und dann 
  3. sehen und erleben können, wie das andere Kind sich (je nach Situation) freut und das Spielzeug dankend annimmt.

Sinnvoll begleiten können wir diesen Prozess, indem wir: 

Freiwilliges Abwechseln: Eine simple Spielregel für Geschwister zu Hause

Unsere Grundregel zu Hause in Bezug auf Spielzeug ist deshalb folgende:

  • Wenn ein Kind ein Spielzeug hat, darf es so lang damit spielen, wie es möchte. Egal, ob 2 Minuten oder 2 Stunden.
  • Das Kind darf selbst entscheiden, wann es mit dem Spielen fertig und bereit ist, das Spielzeug an das Geschwisterkind abzugeben.
  • Das andere Kind hat die Möglichkeit, zu fragen oder einen Tausch anzubieten. Wird das abgelehnt, muss das Kind warten, bis es an der Reihe ist.

Relativ klar und simpel.

Jetzt siehst du wahrscheinlich aber ein ganz offensichtliches Problem: Was ist denn mit dem Kind, das mitunter sehr lang warten muss, bis es dran ist? Es wird unglücklich protestieren. Das ist für ein Kind doch schwierig – und unangenehm für dich.

Und ist es überhaupt fair, das andere Kind so lang auf das begehrte Spielzeug warten zu lassen?

Ich sage: Ja. 

Klar, es wird immer mal Protest geben. Denn Warten ist schwierig. (Nicht nur für Kinder.)

Und ja, es ist auch fair, das andere Kind warten zu lassen. Warum? Lass mich das am besten an einem Beispiel verdeutlichen.

Beide Geschwisterkinder wollen dasselbe Spielzeug: Was kannst du tun?

Denken wir uns in die klassische Situation:

Ella spielt schon eine ganze Weile mit dem Bagger. Benny möchte den Bagger unbedingt haben. Er protestiert und beschwert sich lautstark bei dir.

Option 1: Du greifst ein und entscheidest.

Du sagst zu Ella: „Okay, du hast jetzt lang genug mit dem Bagger gespielt. Jetzt ist Benny aber mal dran.“

Du nimmst ihr den Bagger weg und gibst ihn Benny. Oder du zwingst sie, Benny den Bagger zu geben, weil er schon so lang gewartet hat und total frustriert ist. Oder du gibst Ella „nur noch 5 Minuten“ mit dem Bagger. Das würde alles aufs Selbe hinauslaufen.

Daraus würden deine Kinder lernen: 

  • Wenn ich laut genug weine, bekomme ich, was ich will – selbst, wenn jemand anderes es hat. 
  • Unsere Eltern bestimmen, wer was wann bekommt. 
  • Mein Geschwisterkind und ich sind in ständigem Wettbewerb.
  • Ich sollte besser „schnell spielen“, denn ich werde das Spielzeug bestimmt gleich abgeben müssen, wenn mein Geschwisterkind (wieder) protestiert. Das macht keinen Spaß.
  • Ich habe gewonnen! Aber ich könnte auch verlieren. Deshalb muss ich mich durchsetzen. Wenn ich meine Eltern davon (lautstark) überzeuge, kann ich das Spielzeug dann vielleicht auch länger behalten.

Neben der Rivalität zwischen den Geschwistern, die auf diese Weise befeuert wird,  ist für mich der Aspekt mit dem Zeitdruck beim Spielen ein ganz kritischer. Denn wenn dein Kind ein Spielzeug in den Händen hält und es die Erwartung hat, dass du es jederzeit auffordern könntest, es an das Geschwisterkind abzugeben, fühlt es, wie die Uhr tickt. So wird dein Kind nicht in entspanntes, tiefes und erfüllendes Spielen finden. 

Und nichts macht den Alltag mit deinen Kindern entspannter und schöner als zufriedenes und vertieftes Spielen deiner Kinder.

Ich bin eine absolute Verfechterin des Spielens und dafür, dass wir das Spielen unserer Kinder ernst nehmen und respektieren. Über freies Spielen wird es bald noch einen Artikel geben. Du möchtest keinen neuen Blogartikel verpassen? Dann melde dich gern für meinen Newsletter an.

Nun zurück zum Thema Geschwisterstreit und Teilen: Der konventionelle Ansatz mit dem erzwungenen Teilen untergräbt also die Fähigkeit der Kinder, sich im Spiel zu verlieren. Er schadet auch der Geschwisterbeziehung, indem er einen ständigen Wettbewerb zwischen deinen Kindern schafft. 

Und wie steht es mit Großzügigkeit und Teilen? Nicht gut. Denn keines der Kinder hat hier die Möglichkeit, dem eigenen Spielbedürfnis nachzugehen und sich anschließend als gebenden Menschen zu erleben und freiwillig zu teilen. Stattdessen soll es etwas abgeben, das ihm in dem Moment wichtig und der Mittelpunkt seiner momentanen Aufmerksamkeit ist.

Option 2: Wir halten uns komplett raus und lassen die Kinder alles allein regeln.

Diese Option mag manchen Eltern richtig erscheinen. Ich sehe das sehr kritisch. Denn was passiert, wenn die Kinder sich immer unter sich einigen (müssen)? Es gewinnt das stärkere, lautere, durchsetzungswilligere Kind. Und das andere? Gibt auf. Oft ist es das jüngere, einfühlsamere oder ruhigere Geschwisterkind. Es wird sich mit jeder Erfahrung als unterlegen wahrnehmen und womöglich daraus lernen, sich und seine Interessen zurückzunehmen, weil es denkt, es hat sowieso keine Chance. Wohingegen das andere Kind in der dominanten Position wohl kaum lernen wird, sich mit dem Geschwisterkind zu einigen oder die Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen. Deshalb muss ein anderer Ansatz her.

Option 3: Freiwilliges Abwechseln mit einer einfachen und klaren Spielregel für zu Hause. 

Bei dieser Option sagst du Benny, dass er Ella fragen kann, wann sie mit dem Spielzeug fertig ist. Du schützt Ellas Spiel und gibst Benny die Sicherheit, dass du ihm helfen wirst, zu warten (bzw. das Warten angenehmer zu machen), bis Ella fertig mit dem Spielen und bereit ist, das Spielzeug abzugeben.

Freiwillig.

Daraus lernen deine Kinder:

  • Ich kann fragen, was ich will. Mal bin ich schnell an der Reihe und mal muss ich warten. 
  • Ich bekomme zwar nicht alles, was ich will, aber meine Eltern verstehen und helfen mir immer, wenn ich verärgert bin. 
  • Es ist okay, zu weinen. Aber das bedeutet nicht, dass ich das Spielzeug bekomme. 
  • Wenn ich weine, fühle ich mich besser. 
  • Ich kann mir in der Zwischenzeit ein anderes Spielzeug nehmen und es wirklich genießen, weil ich sicher sein kann, dass ich es so lang behalten darf, wie ich möchte. 
  • Ich werde besser im Warten, weil ich mir Alternativen suchen und mich damit beschäftigen kann.
  • Ich muss nicht mehr bei meinen Eltern jammern und weinen, um sie davon zu überzeugen, dass ich an der Reihe bin. 
  • Jeder muss warten, bis er an der Reihe ist, aber jeder bekommt früher oder später das, was er möchte. 
  • Ich mag das Gefühl, wenn mein Geschwisterkind mir das Spielzeug gibt.
  • Ich kann ein Spielzeug so lange benutzen, wie ich will. Niemand wird mich dazu zwingen, es meinem Geschwisterkind sofort zu geben. 
  • Wenn ich mit dem Spielzeug fertig bin und es meinem Geschwisterkind gebe, fühle ich mich gut. Ich bin ein großzügiger Mensch. 

Mit dieser klaren Linie lernen deine Kinder wichtige soziale und emotionale Fähigkeiten.

Es mag einfach klingen, aber mit dieser Spielregel können deine Kinder Impulskontrolle entwickeln. Ebenso wie die Fähigkeit, zu warten und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse hinauszuzögern.

Denn jedes Mal, wenn du dein Kind beim Warten unterstützt, baut es den mentalen Muskel auf, den es für Geduld braucht. 

Du schützt das Spiel deiner Kinder und gibst ihnen die Chance für vertieftes Spielen, weil du ihre Zeit mit einem Spielzeug nicht limitierst. Du respektierst ihr Recht auf das Spielen und das Spielzeug. Und weder du noch das Geschwisterkind nehmen es mitten im Spiel weg. 

Du hilfst beiden Kindern, ihre eigene Großzügigkeit zu entdecken. Und nebenbei förderst du die Geschwisterbeziehung, indem du den Wettbewerb reduzierst.

Freiwilliges Abwechseln entspannt euren Alltag.

Seit wir diese Regel bei uns anwenden, ist es deutlich entspannter. Sie ist einfach zu kommunizieren und meine Kinder haben sie schnell akzeptiert und verinnerlicht.

Sicher, wir müssen hier und da auch immer mal wieder an unsere Spielregel erinnern. Aber spätestens dann ist die Situation wieder glasklar. Und auch, wenn dem kleinen (oder großen) Geschwisterchen das Spielzeug doch entrissen wird, sind wir als Eltern natürlich gefragt. Ebenso wie bei Handgreiflichkeiten zwischen den Kleinen. Keine Frage.

Aber es gibt viele Tage, an denen das Abwechseln auf diese Weise ganz wunderbar funktioniert. Von ganz allein. Und ich bin sicher, dass wir von dieser Regel profitieren werden, wenn die Kinder älter werden.

Denn einer der entscheidenden Vorteile ist: Diese Linie sorgt für absolute Klarheit. Bei den Kleinen – und bei mir. Bei Streit um Spielzeug wissen meine Kinder in aller Regel auch, wie mein Kommentar zur Situation ausfällt:

„Jedes Kind darf so lang mit dem Spielzeug spielen, wie es möchte. Du kannst gern fragen, wann du es haben darfst. Aber du wartest, bis dein Bruder/deine Schwester damit fertig ist. Wollen wir mal schauen, ob wir etwas anderes Schönes für dich so lang finden?“

Sicher, ganz ohne Frust wird es nie ausgehen. Das muss es auch nicht, denn Frust ist okay und völlig berechtigt. Aber: Dieser Frust belastet keine Beziehungen. Nicht die zwischen deinen Kindern. Und auch nicht zwischen dir und deinen Kindern.

Und der magische Raum für tiefes Spielen wird geschützt.

Was hältst du von dieser Idee? 

Spielzeug pädagogisch wertvoll

Du möchtest mehr zum Thema Streit um Spielzeug und Teilen lesen? Dann schau mal hier rein:

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9 Kommentare

  1. Ehrlich? Das klappt? Krass. Bei uns passiert das: das bittende Kind schreit und fängt an zu prügeln, das andere genießt das Leid des einen.

    • Hej Gabi, lieben Dank für deinen Kommentar! 🙂 Diese Skepsis gab es als Reaktion schon häufiger. Und ich kann sagen: Ja, ich bin ohne Einschränkung von dieser Regel überzeugt. Sie ist für mich einer der besten Tipps für Geschwistereltern. Weil sie einfach ist und auf jeder Ebene Sinn ergibt.

      Bei uns klappt sie nach wie vor ganz wunderbar. Wir haben sie eingeführt, als unser zweites Kind knapp ein Jahr alt war. Und nun, eineinhalb Jahre später, erinnern sich die Kinder sogar gegenseitig daran. Oder antworten: „Ja, darfst du haben – wenn ich fertig bin.“ Und auch das – manchmal freudige, meist aber nur unaufgeregte – Übergeben des Spielzeugs findet bei uns tatsächlich statt.

      Dass es beim wartenden Kind natürlich auch zu Frust kommt (mal mehr, mal weniger), ist ganz klar und okay. (Leben und so.) Es ist schwierig, zu warten. Und manchmal einfach auch sehr frustrierend, wenn man nicht sofort das haben kann, was man möchte. Da können wir helfen, zu lernen, mit dem Frust zurecht zu kommen und das Warten leichter zu machen. (Wichtige Fähigkeiten!)

      Und ja, auch bei uns gibt es hin und wieder Versuche meiner Kinder, dem anderen das Spielzeug doch einfach wegzunehmen. (Da spielen bei meinen Kleinen dann aber meist noch andere Bedürfnisse eine Rolle.) Aber: Diese Regel schafft unterm Strich Klarheit und reduziert Kämpfe.

      Habt ihr diese Regel vielleicht ausprobiert oder neu eingeführt und es zuvor anders gehandhabt? Dann ist es erstmal natürlich neu und ein Lernprozess. Aber ich denke: Beide Kinder werden mit der Zeit immer wieder auch den Vorteil für sich in der Regel erleben (kein Zeitdruck + weniger das Gefühl, kämpfen zu müssen – und ohne Kampf kein Triumph) und sie dann akzeptieren. Das braucht aber seine Zeit.

  2. Mir gefällt dieser Ansatz, und ich möchte es versuchen umzusetzen.
    Wir haben momentan folgendes Problem: Unser Sohn (Anfang 4) verteidigt Spielsachen, die ihm gehören, seit kurzem ganz extrem. Egal ob er gerade damit spielt oder es nur in der Ecke liegt. Er respektiert aber selten, dass seine Schwester (17 Monate) auch eigene Sachen hat, nimmt sich diese wie selbstverständlich, und ist dann verärgert wenn die Schwester ihr Spielzeug selbst haben will. Als könnte er nicht genug kriegen. Was kann da dahinter stecken? Was können wir tun?
    Bei gemeinsamen Spielsachen bekommen wir es noch einigermaßen hin. Aber es gibt immer öfter Streit um Dinge, die einem von beiden gehören, wie zB Puppe, Autos, Puppenbuggy, Kuscheltiere. Die Kleine fängt nun auch an, manche seiner Sachen unbedingt haben zu wollen. Sie gibt sie aber meist freiwillig zurück.
    Ist es besser, beliebte Sachen dann doppelt anzuschaffen, oder müssen die Kinder da durch den Neid immer durch? Wir trösten und begleiten natürlich und es wird nicht gezwungen zu teilen. Aber wir bestehen darauf, dass sie Dinge direkt zurückgeben, die dem anderen gehören (falls ed ihm/ihr gerade wichtig ist). Oder würdest du die Regel auch bei Sachen anwenden, die einem Kind allein gehören?
    Danke für deine Hilfe und sorry für den langen Text 🙂

    • Hej liebe Julia! Danke für deine Zeilen und die Frage! Zuallererst kommt mir der Gedanke: Geschwister sind doch die perfekten Lernpartner. – Was es für uns Eltern nicht immer einfacher macht – aber das ist noch ein anderes Thema. 😉 Da ich keine Coachin oder Elternberaterin bin, hier nur meine persönlichen Gedanken als Mensch und lernende Mama:

      Dass dein Sohn sein Spielzeug verteidigt, finde ich total verständlich und okay! Es ist sein gutes Recht.
      Und Streit unter Geschwistern, finde ich, ist kein Problem, sondern vor allem: normal. Ich versuche für mich jeden Konflikt als mögliche Lernerfahrung zu sehen. (Klappt nicht immer, aber meistens.)

      Die Frage nach dem eigenen Spielzeug liegt nahe und kam auch schon öfter. Deshalb nochmals danke – ich habe sie nun auch im Blogartikel ergänzt. Wir handhaben es so wie ihr: Über eigene Spielzeuge darf jedes Kind selbst entscheiden, ob und wer sie nutzen darf und wie lang. Das akzeptieren zu lernen, finde ich persönlich wichtig. Wir als Eltern moderieren, wenn nötig: „Du kannst deine Schwester fragen, ob du es haben darfst. / Wollen wir deine Schwester mal fragen? Wenn sie dir ihr Spielzeug nicht geben möchte, ist das okay. Dann finden wir etwas anderes für dich.“ (Gefühle annehmen + begleiten) Genauso andersherum: „Du darfst entscheiden, wer dein Spielzeug haben darf und wir respektieren das.“ Das sind aus meiner Sicht wichtige Erfahrungen auch in Bezug auf Selbstwirksamkeit und sich abgrenzen.

      Es wird dann natürlich immer so sein, dass das Kind, das ein Spielzeug zurückgeben muss oder nicht bekommt, mit Frust reagiert. Ist ja klar! Dafür lernen die Kinder, dass ihr „Eigentum“ und Wille respektiert werden. Und mit jeder dieser Situationen verinnerlichen sie es.

      Dahinter steht für mich die Haltung: Wir respektieren die Sachen des anderen. Und ein Nein wird in unserer Familie akzeptiert. (Das eigene Nein genauso wie das Nein des anderen.)

      Deshalb bin ich persönlich auch kein Fan davon, besonders begehrte Dinge per se doppelt zu kaufen. Wobei wir auch hier bei kleinen Dingen mal Ausnahmen machen. Es gibt keine allgemein gültige Wahrheit. 🙂

      Wenn hinter dem Verhalten doch auch Eifersucht ein Thema sein sollte: Wir machen sehr gute Erfahrungen mit exklusiver Zeit, 1:1. Also ein Elternteil und ein Kind. Gemeinsames Spielen, Wertschätzen, Reden, Fotos anschauen, Kuscheln, was auch immer. Am besten regelmäßig. Das muss nicht mal zwingend ein ganzer Nachmittag oder mehrere Stunden sein. Es reichen auch immer wieder mal 20 präsente Minuten nur für ein Kind. Und dann schauen, wie es dem Kind geht und ob die Situation sich entspannt. Falls nicht, dann am besten nochmal genauer hinschauen.

      Es freut mich, dass du meinen Blog liest!

      Wenn du magst, berichte gern mal, wie deine und eure Erfahrungen mit dieser Spielregel sind! Ich freu mich immer über Feedback und Austausch!

      Cheers + alles Liebe
      Susanne

      • Danke, dass du dir Zeit genommen hast mir so ausführlich zu antworten!
        Es beruhigt mich auf jeden Fall sehr was du schreibst und hilft mir, und anscheinend liegen wir nicht ganz falsch bis jetzt
        Einen Puppenbuggy werden wir nun trotzdem nochmal anschaffen
        1:1 Zeit versuchen wir wenn möglich, klappt natürlich nicht jeden Tag. Ich denke, Eifersucht ist gelegentlich ein Thema, aber nicht grundsätzlich.
        Ich bin guter Dinge dass wir mit deinen Vorschlägen weiterkommen..
        Danke nochmals und liebe Grüße, Julia

  3. Liebe Susanne, ich bin total begeistert von deinem Input und all den tollen und hilfreichen Artikeln. Vielen Dank für deine ganze Mühe, die du in deine Arbeit steckst ♥️!
    Zu dem Thema Teilen. Ich finde den Ansatz in dem Artikel super und werde das so umsetzen, wenn die Kleine anfängt, sich Spielsachen der Großen zu nehmen. Allerdings frage ich mich (der Punkt kam ja auch schon oben in den Kommentaren), ob nicht 90 Prozent der Spielsachen ‘zugehörig’ sind. Bis jetzt gehört alles der Großen und die Kleine hat ganz wenig zur Geburt bekommen (Altersunterschied 4 Jahre). Das heißt ja, dass ich die tolle Regel nur anwenden kann bei Spielsachen, die beiden gehören? Ich habe nur Sorge, dass es von den Spielsachen nur wenig bis jetzt gibt/zukünftig geben wird und wir gar nicht in den Genuss der Spielregel kommen werden. Habt ihr viele gemeinsame Spielsachen? Danke dir!
    Liebe Grüße, Steffi

    • Hej liebe Steffi!
      Danke für deine Zeilen, das freut mich sehr! <3

      Wichtige Frage! Ja, bei uns ist es in der Tat so, dass wir eine "Kultur von viel gemeinsamem Spielzeug für alle" und (räumlich bedingt) keine getrennten Kinderzimmer haben. Und weil meine Kids "nur" einen Altersunterschied von zwei Jahren haben, wurde von Anfang an sehr viel im selben Raum gespielt. – Da ist diese Regel unfassbar hilfreich. 😉

      Dennoch: Eigenes Spielzeug und Respekt für persönliche Dinge der anderen sind sehr wichtig, finde ich. Bei uns darf jedes Kind über sein eigenes Spielzeug entscheiden: Ob und wer es wann und wie lang bekommen darf. Ein Nein wird immer akzeptiert. Und es ist wichtig, dass grundsätzlich gefragt wird. Das führt natürlich auch zu Frust, den wir als Eltern begleiten müssen dürfen. 😉 Aber auf diese Weise erleben beide Kinder: „Meine Sachen sind wichtig / ich darf über meine Dinge entscheiden / meine Entscheidungen werden respektiert und ich werde nicht zum Teilen gezwungen“. Sie fühlen sich ernst genommen und nicht machtlos. Und der Raum für freiwilliges Teilen bleibt auf diese Weise offen. (Bei uns ist es ganz oft so, dass auf die Frage nach dem Ausleihen erstmal ’nein‘ gesagt wird – und nach einem kurzen Moment wird das Spielzeug dem Geschwisterkind dann doch freiwillig in die Hand gedrückt. „Hier, jetzt darfst du das haben.“ :D)

      Ich kann mir vorstellen, dass es hilfreich sein könnte, wenn Eltern z.B. als „Verbündete“ der großen Geschwister auftreten und sie darin unterstützen, Spielzeuge und persönliche Dinge, die ihnen wichtig sind, vor den forschenden Baby-Händen zu „schützen“. Dabei erklären, wie neugierig Babys alles entdecken wollen und wie auch das große Kind im Babyalter alles ganz genau untersuchen wollte. (Stichwort: Empathie.) Umgekehrt könnte auch gelten, dass das Baby/Kleinkind gefragt werden muss, wenn das ältere Kind sich ein Spielzeug ausleihen möchte. Also Respekt für das Spielzeug des anderen – von Anfang an.

      Aber: Frust bleibt natürlich nicht aus. Das ist nicht immer leicht für uns, aber es ist legitim.

      Wie ist denn da eure Erfahrung bisher?

      Cheers + liebe Grüße
      Susanne

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