Perfektionismus als Mama – Diese 4 Fragen helfen dir

Perfektionismus als Mama

Heute ein sehr persönlicher Artikel. Zu einem Thema, das mich, wie viele andere leider auch, betrifft und mir deshalb sehr am Herzen liegt: Ich bin Susanne. Ich bin Mama. Und ich bin Perfektionistin. Aber auf dem Weg der Genesung. Danke. Wer mir dabei hilft? Meine zwei Nachkommen. Zwinker, zwinker.

Es kommen jeden Tag Momente, in denen ich akzeptieren muss: 

Es. Kann. Nicht. Perfekt. sein. (Ups, Tippfehler…) Sein.

Heute lebe ich gut damit und nehme das Thema Perfektionismus als Mama für mich vielmehr mit Humor und Gelassenheit. Ich habe zwar nach wie vor ein gewisses Ideal, an dem ich mich orientiere. Aber ich mach mich nicht mehr zur Sklavin meiner Vorstellungen. Denn Schwächen gehören eben auch zu (m)einem Ideal. Und es geht mir wirklich gut dabei.

Aber es gab eine Zeit, in der mich genau das regelrecht fertig gemacht hat.

Ungefähr bis vor zwei Jahren. Ich wollte die weltbeste Mama sein und habe mich monatelang regelrecht verausgabt, einem Ideal hinterherzurennen, das auf Dauer unerreichbar war.

Die perfekte Ernährung. Das beste Spielzeug. Beides ohne Kompromisse. Keine Bildschirme und kein Zucker, bevor das Kind vier ist. Immer die richtigen Worte und das perfekte Maß an Aufmerksamkeit, Zuwendung und Freiheit für mein Kind. Alles sorgfältig durchdacht und abgewogen. Ein aufgeräumter Haushalt. (Man möchte sich ja auch wohlfühlen.) Ein Masterstudium in der Elternzeit, natürlich mit Auszeichnung.

Und auf alle Elternfragen versuchte ich, die besten Antworten zu finden. Ebenso wie auf alle Kinderfragen. Und das möglichst, bevor sie gestellt wurden oder die jeweilige Phase bei meinem (ersten) Kind überhaupt aktuell war. Gut vorbereitet sein. Bloß nix vermasseln…

Als Mama mitten in der Perfektionismus-Falle

Nein, es ging mir nicht darum, dass mein Kind ein Überflieger oder perfekt sein sollte. Mein Sohn ist für mich vollkommen, mit allen Ecken und Kanten. Und ich habe seiner Entwicklung immer zu 100 Prozent vertraut.

Nein, es ging mir um mich und meine Leistung, an die ich unmenschliche Ansprüche stellte: Ich wollte meinem Kind einfach eine perfekte Welt schaffen und einen perfekten Start ins Leben geben. Eben um seiner Entwicklung nicht im Weg zu stehen. Ich hatte so viel Wissen angesammelt, dass sich mir auch immer mehr und mehr Fragen stellten. Und ich wollte alles schaffen. Unbedingt. Und hatte dabei immer ein leises Gefühl, nicht gut genug zu sein. Nie.

Von außen sah es vielleicht die meiste Zeit so aus, als würde mir alles mit Leichtigkeit gelingen. Aber ich ahnte: Ich würde an meinen Ansprüchen irgendwann scheitern.

Und ich dachte:

Selbst, wenn ich es irgendwie schaffen sollte, einen sehr hohen Standard lange aufrecht zu erhalten, wird mir doch auch irgendwann die unperfekte Umwelt einen Strich durch die Rechnung machen. Spätestens, wenn ich mein Kind aus meiner heilen Bubble heraustreten lasse. Ich kann und werde es ja nicht von der Welt abschotten… Dann kommt z.B. bald eine (nicht perfekte) Kita ins Spiel. In der konventionelles Essen serviert, manch unreflektierte Sätze gesagt und nicht-perfekte Menschen Einfluss auf mein Kind nehmen könnten. Die Welt ist nicht perfekt. Ich bin es auch nicht. (Hoffentlich merkt das keiner!) Und überhaupt: Wie soll es dann erst mit zwei Kindern werden?! Wu-haaaa…

Wie klingt das?

Klingt es nach Mamasein mit Spaß und Leichtigkeit?

Oder eher verbissen? Stressig? Nach einer Sackgasse?

Klingt es nach purer Angst? – Yessss.

Perfektionismus als Mama

Die Angst, als Mama nicht zu genügen: Perfektionismus par excellence.

Das musste gegen die Wand fahren. Und das tat es auch.

Inzwischen weiß ich: Perfektionismus ist keine kleine Marotte. Kein Charakterzug von anspruchsvollen Leistungsmenschen. Es ist auch nicht die Leidenschaft für hohe Qualität. Und auch keine vermeintliche „Schwäche“, mit der du in Bewerbungsgesprächen kokettierst.

Nein.

Perfektionismus ist ein Problem.

Und Perfektionismus als Mama oder Papa ein großes dazu.

Denn es betrifft deine Kinder. Direkt. Du bist ihr Vorbild, während du einem nicht erreichbaren Ideal nachrennst, wie ein Esel der Möhre am Angelhaken – und dich dabei völlig verlierst.

Ein weiser Mensch in meinem Leben hat kürzlich zu mir gesagt: 

„Es ist nicht möglich, perfekt zu sein. Und genau deshalb ist es auch nicht wichtig.“

Dazu sage ich: Danke.

Zum Thema Eltern und Perfektionismus gibt es schon viele wertvolle Gedanken – und hier pack ich jetzt mal meine dazu.

Lass sie einfach auf dich wirken.

Stell dir diese vier Fragen:

  • Wer möchte das Kind perfekter Eltern sein?
  • Wenn es dir von Zauberhand gelingen würde, als Elternteil immer perfekt abzuliefern – was würde das mit deinem Kind machen?
  • Was lernen Kinder von Eltern, die sich abstrampeln, um perfekt zu sein, und denken, alles immer 100 Prozent richtig machen zu müssen?
  • Wieviel sehen deine Kinder dabei von dir? Also von dem Menschen, der du unter der aalglatten Hülle wirklich bist?

Ich weiß nicht, wer diesen sehr schönen Satz mal gedacht, gesagt oder geschrieben hat:

„Perfektionismus ist der Feind der Liebe.“ 

Denn was passiert, wenn du verbissen versuchst, perfekt zu sein? Du verurteilst. Dich. Vielleicht auch deine Liebsten. Deine Umwelt. Die Umstände. 

Nichts ist gut genug.

Ist das Liebe?

Wie fühlt es sich für ein Kind an, mit Eltern zu leben, für die alles nicht gut genug ist?

Und wem hilft es, wenn du dich verausgabst?

(Auf rhetorische Fragen antworte ich jetzt nicht…)

Befreie dich und deine Kinder von überhöhten Ansprüchen.

Sei ein Vorbild und inspiriere deine Kinder damit, wie liebevoll du mit deiner und ihrer Unvollkommenheit umgehst. 

Du bist selten pünktlich? Kannst nur zwei Gerichte kochen? Verlierst oft die Geduld? Kennst keine Kinderlieder? Schaffst es nicht, das alltägliche Chaos in den Griff zu bekommen? Stehst auf der Karriereleiter zu weit unten? Fühlst dich zu dick, zu hässlich, zu hübsch? Hast Angst vor Spatzen und galoppierenden Ponys?

So what?! 

Dein Kind muss doch sehen, dass du auch nicht immer alle Antworten kennst. Wie du dich ehrlich entschuldigst, wenn du dich mal nicht bilderbuchmäßig verhalten hast. Wie man Fehler wieder gutmachen und auch verzeihen kann. Anderen und vor allem: sich selbst.

Und wie du mit deinen Schwächen umgehst. Thema Selbstliebe.

Sag auch „Ja“ zu unperfekten Situationen. Von denen gibt es mit Kindern ja eine Menge… Denn was passiert, während wir versuchen, irgendwelche Umstände zu optimieren? Wir verpassen Momente, deren Perfektion in der Unvollkommenheit liegt. 

(Uhhh, so ein schöner Postkartensatz. Mit dem möchte ich meinen Artikel jetzt gern enden lassen.) 

Um den Bogen aber zu schließen: Ich will kein lausiges Vorbild für meine Kinder (mehr) sein. Dazu ist mein Anspruch als Mama dann doch zu hoch. (Kleiner Scherz.)


An welchen Stellen plagt dich Perfektionismus als Mama oder Papa? Oder bist du gegen überhöhte Ansprüche immun? Lass mir gern deinen Kommentar da und wir tauschen uns ein wenig darüber aus!

Möchtest du dich näher mit dem Thema Perfektionismus beschäftigen? Der Wiener Psychiater Prof. Raphael Bonelli hat dazu interessante Vorträge gehalten – sehr lehrreich. Auch sein Buch „Wenn das Soll zum Muss wird“* ist dazu lesenswert.

P.S.: Das ist mir sehr wichtig: Sieh die Artikel, Tipps und Gedanken in meinem Blog nicht als die Möhre am Angelhaken vor deiner Nase. Sieh sie als das, wofür ich sie gedacht habe: Als Orientierung, Ideengeber, Impulse, Sicherheit. Und vor allem: als Ideal. Geschrieben von einer nicht-perfekten Mama für andere nicht-perfekte Eltern, die allesamt jeden Tag ihr Allerbestes geben. Nimm daraus mit, was für dich und deine Familie passt und genieß dein perfekt unperfektes Elternleben.

Dieser 5-Schritte-Plan zeigt dir, wie du gelassen, liebevoll und achtsam mit dir und deinem Kind bleibst – in jeder Situation.
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