Dein Kind ist angespannt oder provoziert? – Dieser einfache Tipp kann helfen!

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Quick and dirty, ich will keine Zeit mit vielen Worten verlieren: Dies ist einer der am meisten unterschätzten Tipps für Eltern. Ich würde sogar behaupten, er ist Gold wert. Obwohl er fast banal daherkommt – und im Grunde ein ziemlich alter Hut ist: 

Tobe mit deinem Kind. Am besten jeden Tag.

Denn Toben wirkt Wunder.

Besonders, wenn dein Kind angespannt, überfordert, gereizt ist oder aggressives Verhalten zeigt – und du dich fragst, was du als erstes tun kannst.

Denn wir alle wissen: In Momenten, in denen Gefühle überschäumen, erreichen wir unsere Kinder mit Worten nicht wirklich.

Deshalb erstmal: Toben.

Warum?

  1. Toben bringt dein Kind zum Lachen.
  2. Lachen baut Stresshormone im Körper ab und reduziert Ängste.
  3. Lachen erzeugt das Bindungshormon Oxytocin. Das bedeutet: Gemeinsames Lachen stärkt eure Beziehung.
  4. Körperliche Bewegung hilft bei der Verarbeitung von Emotionen – von denen unsere Kinder ja reichlich haben.
  5. Bewegung ist wichtig für die Gehirnentwicklung. (Wissen wir alle.)
  6. Und ganz nebenbei stärkt das Toben auch das Selbstwertgefühl, wenn Kinder mit ihrer eigenen körperlichen Stärke in Kontakt kommen. (Das kann besonders für Kinder hilfreich sein, die weniger durchsetzungsstark oder kleiner als Gleichaltrige sind.)

Du siehst: Toben ist mehr als nur eine lustige Beschäftigung.

Toben kann ein sehr wirksames Hilfsmittel im Umgang mit starken Gefühlen sein.

Zum ersten Mal hatte ich diesen Tipp bei Dr. Laura Markham* gelesen. Seitdem sehe ich das Toben mit ganz anderen Augen – denn ich erkenne, was für einen Unterschied es bei meinen Kindern macht.

Es kann eine sehr einfache und wirksame Erste-Hilfe-Maßnahme sein, um die Emotionen ins Fließen zu bringen.

Denn denk einfach nur mal daran, wie gut dir eine Runde herzhaftes Lachen nach einem miesen Moment tut.

Ja… und ganz genau so ist es für dein Kind auch.

Toben entspannt dein Kind

Toben macht Kinder ausgeglichener. Und bei spielerischen Kämpfen lernen unsere Kinder nicht nur ihren Körper besser zu beherrschen, sondern auch ihre Aggressionen zu bewältigen. So rasten sie weniger schnell aus, wenn sie wütend werden und sind insgesamt entspannter.

Kleine Randnotiz: Kinder, die Aggressionen zeigen, werden leider schnell als problematisch angesehen. Dabei sind Aggressionen natürliche soziale Reaktionen – laut Jesper Juul* sogar eine emotionale Schlüsselkompetenz – und für unsere Kinder notwendig, da sie nichts anderes als ein Zeichen für den Wunsch nach Wertschätzung sind.

In meiner Familie legen wir gern eine Runde Toben ein,

  • wenn die Stimmung etwas geladen ist und ein Kind z.B. immer wieder provokantes oder leicht aggressives Verhalten zeigt,
  • nach einem anstrengenden Kita-Tag,
  • wenn sich ein Geschwisterkonflikt an den nächsten reiht,
  • wenn Ängste ein Thema sind,
  • um die Verbindung wiederherzustellen,
  • oder vor Situationen wie Arztbesuchen, bei denen es hilfreich ist, wenn mein Kind entspannt ist. Präventiv, sozusagen.

Dann heißt es: Toben. Ganz spielerisch. (Und klar, ohne Zwang.)

„Ich glaub, jetzt müssen wir erstmal eine Runde toben…“

„Psssst… hast du das auch gehört?! … Sei mal ganz leise. Da! Wieder! Ich glaub, da kommt der – Knuddelroboter!“

Dir fallen sicher auch andere für euch passende Einladungen ein – experimentiere einfach mal.

So können Energie und Anspannung entladen werden. Denn wir wissen:

Emotionen passieren im ganzen Körper – und er hilft uns auch dabei, sie zu bewältigen.

Probiere es einfach mal aus. Ganz bewusst, meine ich. Und schau, was das Toben bei euch bewirkt.

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Und bevor die Frage kommt:

Nein, das Toben soll nicht von starken Gefühlen oder vom Problem ablenken.

Ablenkung hilft nicht. Das Toben ist nur ein Mittel, Anspannungen erstmal gesund und spielerisch abzubauen. Auf körperlicher Ebene. Das Problem wird dadurch natürlich nicht gelöst. Aber: wir kommen durch das Toben in einen entspannten Modus. Und nur in diesem Modus sind unsere Kinder aufnahmefähig. Erst dann ist es sinnvoll, mit unseren Kindern zu reden – und Lösungen finden.

„Okay, okay… Schlacht beendet – ich komm einfach nicht gegen dich an. Du bist zu stark für mich. Phew… Kommst du mal in meinen Arm?“

(Und wenn es nicht direkt nach dem Toben ist, dann zu einem späteren Zeitpunkt, an dem dein Kind bereit zum Zuhören ist.)

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Ideen fürs Toben zu Hause

Kinder wild durch die Luft wirbeln, schwingen, hochwerfen und auffangen oder als Rakete auf das Bett fliegen lassen – das sind die Tobereien, die meine Kinder über alles lieben – und die ich gern… outsource.

Wenn du, wie ich, eher zurückhaltend bist, was Toben angeht – und Ideen brauchst, dann schau mal, ob euch diese Spaß bringen:

  • wildes Fangen spielen (geht immer),
  • die gute alte Kissenschlacht,
  • eine Rauferei, bei der jeder versucht, dem anderen eine Socke auszuziehen (we love it),
  • auf einem Kissen sitzend um die Wette rutschen (lässt sich gut mit Quatschmachen verbinden),
  • sich mit Papierkügelchen oder Pompons bewerfen
  • oder Musik laut und wild tanzen – das ist mein absoluter Favorit, der mich selbst auch immer wieder runterbringt.

Du musst das Rad nicht neu erfinden. Es geht einfach darum, dass ihr ein bisschen Spaß habt, zusammen lacht und in Bewegung seid. So, wie es euch zu euch passt.

Und weil Toben durchaus laut, wild und anstrengend werden kann – hier zum Schluss:

8 Tipps für sicheres Toben zu Hause

Die helfen dir ganz besonders, wenn du zwei oder mehr Kinder hast, die gern miteinander toben.

1. Greife positiv ein, bevor du wütend wirst.

Der richtige Moment dafür ist, sobald du dir Sorgen machst. Um dein Kind, um die Katze, Möbel oder den Kronleuchter an der Decke. Warte nicht, bis deine Grenze überschritten ist und du kurz vor dem Ausrasten bist. Greife rechtzeitig auf eine positive Weise ein, um Sicherheit herzustellen. 

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2. Schätze mögliche Gefahren realistisch ein.

Auch hier gilt: Vertraue deinem Gefühl und deiner Erfahrung.

3. Stellt gemeinsam Sicherheitsregeln auf.

Statt Raufereien einfach abzubrechen, kannst du gemeinsam mit deinen Kindern Sicherheitsregeln aufstellen:

„Okay, ihr wollt Rakete spielen. Das klingt lustig! Welche Regeln brauchen wir dafür, damit es allen beim Spielen gut geht?

Wenn es jemandem zu viel wird und er „Stopp!“ ruft, hören alle sofort auf. … Genau, und kein Schubsen. Okay… Und das Treppengitter bleibt zu.

Brauchen wir noch mehr Regeln?“

Wir schreiben wichtige Regeln gern auf und hängen sie gut sichtbar auf – so bekommen sie noch mehr Kraft. Selbst für Kinder, die noch nicht lesen können.

4. Verbinde dich mit deinem Kind, bevor du eingreifst oder „korrigierst“.

Wenn du möchtest, dass deine Kinder z.B. etwas leiser sind, ihr Toben nach draußen verlegen oder etwas anderes machen, stell zu allererst eine positive Verbindung zu ihnen her. Das bedeutet, nicht quer durch den Raum schreien, sondern freundlich auf sie zugehen. 

Du weißt: Wenn Kinder wild miteinander toben, sind sie für Worte kaum empfänglich.

Wie du eine Verbindung herstellen kannst, liest du hier.

5. Setze Grenzen und biete ggf. Alternativen an.

Leg eine klare Regel fest, die du unmissverständlich formulierst. Und setze Grenzen:

„Ich weiß, es ist gerade echt schwer, aufzuhören. (Empathie)

Aber dieses wilde Spiel möchte ich nicht hier im Wohnzimmer haben. (Grenze)

Ich hab Sorge, dass die Bälle gegen das Regal fliegen und etwas kaputt geht. (Begründung)

Möchtet ihr euer Spiel draußen weiterspielen oder lieber etwas anderes machen?“ (Lösung mit Alternativen)

6. Beobachte alle Beteiligten.

Das Toben sollte allen Freude bereiten. Zu jeder Zeit. Sobald du feststellst, dass ein Kind zu angespannt oder gestresst beim Toben wirkt, greife ein:

„Ella, siehst du, dass Benny nicht lacht? Lass uns vielleicht mal eine Minute Pause machen und schauen, dass es allen gut geht…“ 

„Benny, du kannst Ella sagen, dass sie aufhören soll, XYZ zu machen.“ 

„Du kannst zu Ella „Stopp!“ sagen, wenn es dir zu viel ist. Willst du es gleich mal üben?

7. Keine Angst vor Tränen!

Ich glaube, je jünger die Kinder und je wilder das Toben, desto wahrscheinlicher kommen sie: Tränen. Ein Kind stolpert, stößt sich oder wird vom anderen zu grob behandelt – und der Spaß ist für einen Moment schlagartig vorbei. Weinen ist völlig angemessen – und okay. Ist nichts Schlimmes passiert, wird dein Kind womöglich nach einer kurzen Umarmung oft wieder bereit sein, weiterzumachen.

Frag deine Kinder einfach nach dem Toben, ob sie neue Regeln brauchen, damit sich beim nächsten Mal niemand weh tut.

Manchmal lösen sich beim Toben und durch das Lachen aber auch belastende Emotionen. (Wenn du z.B. das Gefühl hast, dein Kind reagiert völlig über.) Dann ist das Weinen ein gesunder Mechanismus – und empathisch begleitet wird dein Kind danach entspannter und zufriedener sein, wenn es die Emotionen aus seinem Körper befreien konnte. Ich sehe jedes Weinen als Befreiung von Anspannung und Schmerz an.

Lies dazu auch gern meinen Artikel: Dein Kind weint – Welche Fehler du beim Trösten vermeiden solltest und was deinem Kind wirklich hilft.

8. Nach dem Toben zur Ruhe kommen.

Nach ausgiebigem Toben ist es gut, wieder zu einer entspannteren Aktivität umzulenken. Eine kleine Ruhepause, Kuscheln, ein Buch lesen, puzzlen – was auch immer.

Also: Toben. Ein alter Hut, okay. Aber so gesehen, doch ein ziemlich überzeugendes Werkzeug, das deinem Kind bei der Bewältigung seiner Gefühle helfen kann – und deshalb alles andere als banal. Es braucht vielleicht ein bisschen Übung, aber unterm Strich kann es oft Wunder wirken.

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